Infoveranstaltung
As-Swaida – Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Montag, 18. August 2025, Rathaus Dresden
Programm / Ablaufplan
BLOCK 1 – Einleitung
Einleitung
Einführung in die Gemeinschaft der Drusen:
Vorstellung der historischen Entwicklung, Werte und gesellschaftlichen Strukturen der drusischen Gemeinschaft.
Erstens – Bezeichnung und Geschichte
– Der Berg war im Laufe der Geschichte unter verschiedenen Namen bekannt: Berg Baschan (in biblischen und aramäischen Texten), Berg ar-Riyan, Berg Hauran, Berg der Drusen und schließlich Jabal al-Arab.
– Baschan bedeutet „fruchtbares Land“, während Hauran aufweite, fruchtbare Ebenen hinweist.
– In der islamischen Zeit war as-Suwaida sein Verwaltungszentrum und der Berg war Schauplatz wichtiger Eroberungen und Schlachten.
– In der osmanischen Ära wurde er ein eigener Verwaltungsbezirk, in dem sich der drusische Glaube verbreitete, wobei as-Suwaida weiterhin das Zentrum der Region blieb.
– As-Suwaida ist eine alte Stadt, die in der römischen Zeit „Dionysias“ genannt wurde und noch immer bedeutende römische und byzantinische Ruinen beherbergt.
Zweitens – Nationale Rolle und Widerstand
– Der Berg spielte eine herausragende Rolle im Großen Syrischen Aufstand (1925) gegen die französische Besatzung unter der Führung von Sultan Bascha al-Atrash.
– Er war Schauplatz wichtiger Schlachten wie der Schlacht von al-Mazraa und der Schlacht von al-Kafr, die zur nationalen Einheit beitrugen und die Besatzung zurückdrängten.
– Die Bewohner des Berges beteiligten sich über Jahre hinweg am Widerstand und brachten große Opfer für die Unabhängigkeit Syriens.
Drittens – Geografie und Natur
– Der Berg liegt im Südosten Syriens und gehört verwaltungstechnisch zur Provinz As-Suwaida.
– Er grenzt im Osten an die Wüste, im Westen an die Ebene von Hauran und im Süden an Jordanien.
– Seine Fläche beträgt etwa 5.500 km², seine Gipfel erreichen Höhen von bis zu 1.800 m, und ein Großteil des Gebiets ist von dunklem Vulkangestein bedeckt.
– Der Boden ist reich an Mineralien, was ihn seit jeher für die Landwirtschaft geeignet macht.
– Das Klima ist im Sommer gemäßigt und im Winter kalt, mit relativ starken Regenfällen in den Höhenlagen.
Viertens – Gesellschaftliches Leben und Bräuche
– Die Gesellschaft ist traditionell stammesgeprägt und basiert auf Werten wie Ehre, Würde und gegenseitigem Respekt.
– Die Rolle des Mannes war zentral im sozialen Leben, während die Rolle der Frau früher durch Traditionen eingeschränkt war, sich jedoch im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat.
– Die Heirat folgt überlieferten Bräuchen: Sie beginnt mit der Verlobung, es folgen Vorbereitungen und ein Hochzeitstag mit großem Zusammenkommen und großzügiger Bewirtung.
– Gastfreundschaft ist ein herausragendes Merkmal, wobei arabischer Kaffee als Zeichen der Wertschätzung gereicht wird.
Fünftens – Religiöse Überzeugungen
– Die Mehrheit der Bewohner des Berges gehört der drusischen Religionsgemeinschaft an – eine religiöse Gruppe im Nahen Osten mit Ursprüngen im 11. Jahrhundert.
– Sie besitzen ein heiliges Buch namens „Buch der Weisheit“ und glauben an spirituelle Prinzipien wie Einheitsglauben, Wahrhaftigkeit und den Schutz der Brüderlichkeit.
– Ihre Fahne symbolisiert fünf Farben: Rot (Mut), Gelb (Wissen), Grün (Erde), Blau (Glaube), Weiß (Frieden).
Sechstens – Kulturerbe und Identität
– Der Berg bewahrt römische, byzantinische und islamische Überreste, darunter Tempel, Säulen und historische Stätten in den Dörfern.
– Die lokale Identität ist eine Mischung aus alten arabischen Werten und nationalem Geist, wobei Traditionen trotz moderner Einflüsse bewahrt werden
Religion der Drusen präsentieren – Jawad
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Geschichte der Drusen von der Entstehung bis zur heutigen Situation
1.01
1.02
BLOCK 2 – Was ist passiert?
2.01
2.02
2.03
2.04
Ich bin Yara Abou Fakher und ich wohne in Dresden seit 10 Jahren und bin als Musikerin und Pädagogin tätig. Ich bin eine stolze Tochter der Stadt As-Swaida
Was wir gerade gesehen haben, ist nur ein Teil der vielen Geschichten der Frauen von as-Suwaida, die großes Leid, Enttäuschungen und Niederlagen erlebt haben.
An euch, Frauen meiner Heimat, an meine Mutter, meine Tante, meine Cousine, und meine Großmutter, richte ich mein Wort:
Ihr tragt schweres Leid, doch ihr verkörpert Ehre, Stärke und Würde.
Trotz so viel Gewalt und Unterdrückung schlägt euer Herz immer und immer wieder für Freiheit, Frieden und Liebe. Schon vor 80 Jahren, überlebten die Frauen hier in Deutschland genauso heldenhaft den zweiten Weltkrieg, vor allem hier in dieser großartigen Stadt Dresden!
Darum: Lasst euch nicht einschüchtern, nicht schwächen.
Schämt euch nicht für das, was euch angetan wurde. Wir wissen, was geschehen ist und stehen auf eurer Seite.
Die richtige Angst sollten wir nicht vor einer Erpressung solcher Art, sondern vor verlorener Freiheit und geraubter Würde. Bleibt standhaft, bewahrt euren Stolz und erhebt eure Stimmen über das Schweigen hinaus.
Als nächstes, spiele ich mit dem tollen Musiker Sebastian Römisch ein Musikstück von John William, welches er für den Film Schindlers Liste komponierte. Sie ist stark emotional geprägt und unterstützt die tragische und intensive Stimmung des Films, besonders durch den melancholischen Geigen-Sound von Itzhak Perlman, der die Trauer, Hoffnung und das menschliche Leid im Holocaust
eindrucksvoll vermittelte.
Der Film erzählt von Mut, Mitgefühl und der Frage, wie man selbst inmitten unvorstellbarer Grausamkeit seine Menschlichkeit bewahren kann. Er zeigt, wie eine Einzelperson einen Unterschied machen kann, einen Unterschied, der für jemanden die ganze Welt bedeutet.
Menschlichkeit beginnt oft in den kleinsten Gesten: ein Schutzbrief, ein verstecktes Stück Brot, ein Name auf einer Liste.
Der Krieg macht sich spürbar, wie zerbrechlich Hoffnung sein kann – und zugleich, wie stark sie wird, wenn jemand sie behütet.
Am Ende bleibt nicht nur die Trauer über das Geschehene, sondern auch die leise, unvergängliche Gewissheit, dass Güte; selbst im dunkelsten Schatten weiterleben kann.
Wie sehr ähnelt sich die heutige Geschichte der Damaligen.
So wie die Juden im Holocaust aus ihren Wurzeln gerissen wurden, fühlen sich die Drusen in As-Suwaida heute in ihrer Identität und Existenz bedroht.
In beiden Fällen werden Menschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit verfolgt und nicht wegen individueller Taten.
Die Geschichte lehrt uns wiedermal, dass das Ignorieren des Leids einer Minderheit zu einer großen menschlichen Katastrophe führt.
Dieses Stück ist mehr als Musik, es ist ein Ruf nach Frieden.
Für die, die wir verloren haben. Für die, die bleiben. Und für die, die weiterkämpfen. Danke
2.05
2.06
BLOCK 3 – Aktuelle Lage
3.01
3.02: Video: Gewalt in Demos in Deutschland
3.03: Rede: Ryyan Alshebl (Auswirkungen für Drusen im Ausland)
BLOCK 4 – Was können wir tun?
Einleitung
Einleitung in den zweiten Punkt
Für lange Zeiten glaubte das syrische Volk an seine Kultur und an das friedliche Zusammenleben zwischen allen Religionen und ideologischen Richtungen. Dies war kein zufälliges Phänomen. Dieser Glaube entsprang weder einer leeren Theorie noch einer bloßen Attitüde, sondern kristallisierte sich aus dem konkreten Miteinander der Syrer
heraus. Seit Beginn der syrischen Revolution 2011 und des darauffolgenden Krieges meinte das syrische Volk, dass die kriegerische Katastrophe, an deren Beginn es sich gestellt sah, diesen Bau des friedvollen Zusammenlebens als unzerstörbar erweisen werde. Heute kann es nur auf dessen Trümmer blicken. Selbstbesinnung muss nach solchen Erlebnissen eintreten.
Nach den tragischen Ereignissen in Syrien, die dem von allen Syrern gefeierten Sturz des Assad-Regimes folgten, stellt sich dem treuen Syrer unausweichlich die Frage nach den Irrtümern, die zu diesen beispielslosen Angriffen geführt haben – Angriffen, die in den Schilderungen meiner KollegInnen noch geschildert werden. Wo lagen die Ursachen dieser verhängnisvollen Irrtümer? Diese Frage muss in die Seelen des syrischen Volkes hineinleuchten. Die Zukunft des syrischen Volkes hängt davon ab, ob es sich die Frage in ernster Weise zu stellen vermag: wie bin ich in meinen Irrtum verfallen? Stellt es sich diese Frage heute, wird sich die Erkenntnis deutlich zeigen, dass vor vierzehn Jahren die friedliche Revolution sich in eine bewaffnete, dschihadistische und extremistische Bewegung umwandelte. Durch die dschihadistischen Gedanken dieser bewaffneten Bewegung gegen Assad wurden andere Religionsgemeinschaften gezwungen, sich zu distanzieren von der bewaffneten Revolution; nicht alle Glaubensrichtungen glaubten an Dschihadismus, selbst nicht alle Sunniten. Viele blieben dem friedlichen Charakter der Revolution treu – darunter die Drusen – die es verstanden, trotz der Militärpflicht in Syrien ihre Söhne nicht in die Armee zu schicken, weil sie nicht ihre syrischen Brüder töten wollten, und Ihre Regionen über Jahre hinweg eigenständig verwalteten. Sie behandelten Verwundete anderer Glaubensrichtungen, führten friedliche Demonstrationen gegen das Regime, empfingen Binnenvertriebene mit Wärme, ohne ihnen das Gefühl von Entwürdigung zu geben. Der Verzicht auf Teilnahme am bewaffneten Kampf wurde von den Dschihadisten offenkundig nicht gefeiert; dort keimten Gedanken auf, die auf Ibn Taimiyas Lehren zurückgehen, wonach Nicht-Sunniten als Gottesfeinde gelten, deren Männer getötet, deren Frauen versklavt und deren Eigentümer beschlagnahmt werden müssten. Solche dschihadistischen Gedanken und die „Ibn-Taimiya“-Interpretationen standen keineswegs im Geiste des allgemeinen syrischen Geisteslebens.
Daraus ergeben sich zwei wichtige Fragen:
- Wie fanden islamistische Gedanken ihren Weg in die Gemüter einiger Syrer, und wie konnten sie sich so stark verbreiten?
- Wie kam es zur Verwandlung der friedlichen Revolution in eine bewaffnete Bewegung? Welche Rolle spielten Bewaffnung, strategische Unterstützung und der Zustrom ausländischer Kämpfer? Diese Fragen müssen berücksichtigt werden, ohne in Schuldzuweisungen zu verharren.
Beginnen wir mit der ersten Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass viele Syrer so stark manipuliert wurden, dass sie ihre alawitischen, drusischen und christlichen Mitbürger angreifen und töten wollten?
Meine Damen und Herren, Sie wissen, dass eine solche Art der Manipulation bereits hier in Deutschland stattgefunden hat – nämlich als Hitler an die Macht kam und es ihm gelang, die Deutschen so zu beeinflussen, dass sie ihren jüdischen Mitbürgern die schlimmsten Verbrechen antaten.
Ein sehr großer Teil des deutschen Volkes – gebildet, geprägt von den moralischen Ideen des deutschen Idealismus und Heimat großer Denker und Komponisten des damaligen modernen Geisteslebens – ließ sich von den unmenschlichen Ideen Hitlers manipulieren.
In Syrien erleben wir nichts anderes als eine Wiederholung dieser Manipulation, die es geschafft hat, ein friedliches Volk in kürzester Zeit zu einem großen Teil in ein terroristisches zu verwandeln – ganz ähnlich wie damals bei den Nationalsozialisten.
Dabei muss betont werden: Solche islamistischen Gedanken und Taten waren dem syrischen Volk vollkommen fremd.
Die strategische Manipulation begann bereits in den frühen Phasen des syrischen Kriegs. Ziel war es, die junge Generation systematisch zu indoktrinieren – insbesondere die Kinder von Dschihadisten –, sodass ihr Weltbild von einem tief verwurzelten Hass gegenüber den pluralistischen Strukturen des syrischen Volkes geprägt wurde. Ihnen wurde vermittelt, dass Drusen, Alawiten, Kurden und Christen nicht etwa Verbündete im Kampf gegen das Assad Regime seien, sondern vielmehr Feinde, die einen Vernichtungskrieg gegen die sunnitische Bevölkerung führten.
Diese ideologische Verzerrung fand ihren intensivsten Ausdruck in der Provinz Idlib, die vollständig unter der Kontrolle der HTS (Hayat Tahrir al-Sham) stand – einer Organisation mit islamistischer Ausrichtung und historischer Nähe zum sogenannten Islamischen Staat. Nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes und der faktischen Machtübernahme durch die HTS hegten viele Drusen zunächst Hoffnung auf ein Ende der Diktatur. Doch diese Hoffnung war begleitet von tiefen Sorgen über die neue Machtstruktur, deren ideologische Fundamente nicht nur antipluralistisch, sondern auch zutiefst repressiv waren.
Die HTS hatte bereits während des Krieges drusische Bürger in Idlib hingerichtet. Ihre Kämpfer bestanden zu einem erheblichen Teil aus ausländischen Dschihadisten, die Syrien nicht als Heimat, sondern als Beute betrachteten. Für die Drusen hingegen ist Syrien keine Beute, sondern eine historisch gewachsene Heimat, die es zu schützen gilt. In Ermangelung realer Alternativen gewährten die Drusen der neuen Regierung eine Chance – eine Haltung, die auch von Teilen der internationalen Gemeinschaft geteilt wurde.
Doch die neue Regierung forderte die vollständige Entwaffnung der Bevölkerung. Während die Alawiten dieser Forderung nachkamen und daraufhin im März dieses Jahres Opfer eines brutalen Massakers wurden, verweigerten die Drusen die Waffenabgabe. Sie betonten, dass
ihre Bewaffnung ausschließlich der Selbstverteidigung diene und forderten zugleich eine Dezentral organisierte Staatsgewalt für das zukünftige Syrien. Diese Forderung wurde von der Regierung als separatistisch diffamiert, und die Drusen wurden öffentlich als Verräter gebrandmarkt.
Ende April kursierte eine Tonaufnahme im Internet, in der der Prophet Mohammed in einem drusischen Dialekt beleidigt wurde. Obwohl die drusische Gemeinschaft diese Aufnahme scharf verurteilte, wurde sie kollektiv für den Inhalt verantwortlich gemacht. In der Folge griffen Milizen der neuen Regierung die drusischen Städte Dscharamana und Sehnaya im
Großraum Damaskus an und versuchten, auch die Provinz Al-Sweida zu erobern. Dabei wurden zahlreiche unbewaffnete Zivilisten ermordet und Frauen verschleppt. In Al-Sweida jedoch scheiterte der Angriff – die Bevölkerung leistete entschlossenen Widerstand.
Zweieinhalb Monate später wurde ein erneuter Krieg gegen die Drusen in Al-Sweida entfesselt. Als Vorwand diente ein manipuliertes Video, das angeblich drusische Männer zeigte, wie sie ein beduinisches Kind ermordeten. Die Wahrheit jedoch war eine andere: Das Kind war selbst Druse, und die Täter stammten aus beduinischen Kreisen. Dennoch erfolgte ein ungeprüfter Angriff durch syrische Sicherheitskräfte und ausländische Einheiten – mit noch größerer Brutalität als zuvor.
Das daraus resultierende Massaker ist noch nicht vollständig dokumentiert, doch es gibt genug Berichte mit Videoaufnahmen, die ein erschütterndes Bild zeichnen. Diese Ereignisse verdeutlichen, wie gefährlich die Kombination aus ideologischer islamistischer Verblendung, politischer Machtgier und gezielter Desinformation ist – und wie sie ein Volk spalten und in den Abgrund führen kann.
Die Antwort der zweiten Frage
Die friedliche Revolution in Syrien, einst Ausdruck eines kollektiven Wunsches nach Freiheit und Würde, wurde durch externe Interventionen in eine bewaffnete Auseinandersetzung verwandelt. Diese Transformation öffnete dem Terrorismus Tür und Tor. Ein zentrales Beispiel hierfür ist das US-amerikanische Geheimprogramm „Timber Sycamore“, das zwischen 2013 und 2017 unter der Leitung der CIA und mit Unterstützung arabischer Geheimdienste operierte. Ziel war die Ausbildung und Bewaffnung sogenannter „moderater Rebellen“ gegen das Assad-Regime. Doch die Realität war komplexer und gefährlicher:
- Massive Waffenlieferungen gelangten auf den Schwarzmarkt und in die Hände extremistischer Gruppen wie der Al-Nusra-Front, einem Ableger von Al-Qaida. • General Lloyd Austin bestätigte, dass trotz eines Budgets von über 500 Millionen US-Dollar nur wenige Kämpfer tatsächlich ausgebildet wurden.
- Russische Waffen wurden über osteuropäische Kanäle beschafft und teilweise über die US-Basis Ramstein nach Syrien geliefert – inklusive Munition, Granaten und Raketenwerfer, ohne die Zusage Deutschlands.
Diese geopolitischen Entscheidungen erinnern fatal an frühere historische Muster: So wie Al Qaida 1988 im Kampf gegen die Sowjetunion mit saudischer Unterstützung entstand, und der IS als Folge des Irak-Krieges, so wurden auch Organisationen wie HTS (Hayat Tahrir al Sham) durch ähnliche Akteure gefördert. Ihre ideologischen Vorbilder: Bin Laden und die Vision eines islamistischen Gottesstaates.
Die Lehre aus dieser Entwicklung ist klar: Es ist politisch und ethisch unverantwortlich, im Namen des Sturzes eines autoritären Regimes Organisationen zu schaffen, deren Radikalisierung nicht mehr kontrollierbar ist. Die ursprüngliche Absicht mag nicht terroristisch gewesen sein – doch die Realität zeigt, dass solche Gruppen sich verselbstständigen und zu einer Bedrohung für die gesamte Region werden.
Fehler sind menschlich. Doch es braucht bewusste und verantwortungsvolle Akteure, um sie zu korrigieren. Unsere Hoffnung richtet sich daher an Deutschland und die internationale
Gemeinschaft: Helft uns, ein Ende der destruktiven Herrschaft in Syrien herbeizuführen – nicht durch Waffen, sondern durch politische Vernunft und moralische Klarheit.
Vorschläge/ Maßnahmen:
angesichts der dramatischen Eskalation der humanitären und sicherheitspolitischen Lage im syrischen Gouvernement As-Suwaida sowie der wachsenden Bedrohung für Mitglieder der drusischen Gemeinschaft in Deutschland ersuchen wir Sie dringend um folgende Maßnahmen:
- Finanzielle und humanitäre Soforthilfe für die Zivilbevölkerung von Suwaida, insbesondere zur Versorgung mit Medikamenten, Lebensmitteln, Trinkwasser, Treibstoff sowie medizinischer Ausrüstung für den Betrieb der Krankenhäuser.
- Unterstützung durch Vertreter der Bundesregierung Deutschlands und der Europäischen Kommission beim Transport und bei der Verteilung der Hilfsgüter.
- Mediale und diplomatische Aufmerksamkeit für die eskalierende Situation und die gezielten Übergriffe auf eine religiöse Minderheit.
- Zugang für freie und unabhängige Medien zur Berichterstattung über die Ereignisse in der Provinz As-Suwaida und die dortigen Verstöße gegen sämtliche Grundsätze der Menschlichkeit.
- Entsendung unabhängiger Beobachter und Hilfsorganisationen zur Lagebewertung und zur Koordination der humanitären Hilfe vor Ort.
- Einsatz einer internationalen Untersuchungskommission zur Aufklärung der Massaker, die an der drusischen Bevölkerung in Syrien verübt wurden.
- Klares außenpolitisches Signal zur Verurteilung der Gewalt und zum Schutz der drusischen Minderheit als Teil der internationalen Verantwortung für den Schutz religiöser und ethnischer Gruppen.
- Unterstützung beim Aufbau von Notunterkünften für über 170.000 Menschen im Gouvernement As-Suwaida, die derzeit obdachlos sind und in Schulen oder religiösen Einrichtungen untergebracht werden.
- Schutz der Mitglieder der drusischen Gemeinschaft in Deutschland, insbesondere in Flüchtlingsunterkünften, in denen bereits sektiererisch motivierte körperliche Angriffe und Drohungen aufgrund von Identität und Glauben stattgefunden haben.
- Schutz vor Zwangsrückführungen für alle Mitglieder der drusischen Gemeinschaft in Deutschland – insbesondere Inhaber vorübergehender Aufenthaltsgenehmigungen und subsidiären Schutzes – da Syrien aufgrund der sektiererischen Mobilisierung und Kämpfe derzeit nicht sicher ist. Dies gilt auch für hochqualifizierte Personen, die seit Jahren hier leben und um ihr Leben und das ihrer Kinder fürchten.
- Neubewertung der Asylverfahren von Drusen in Deutschland auf Grundlage der aktuellen Entwicklungen sowie verstärkte Gewährung von Asylstatus anstelle nur vorübergehender Aufenthaltsgenehmigungen.
- Konsequentes Vorgehen gegen Personen, die in Deutschland zu sektiererischer und extremistischer Gewalt aufrufen. Viele Geflüchtete beobachten mit Sorge, wie jihadistische Anhänger Hasspropaganda und Gewalttaten gegen die drusische Bevölkerung in Syrien verherrlichen, teils durch gezielte Demütigungsvideos, die an nationalsozialistische Methoden erinnern. Diese Inhalte fördern Hass, Radikalisierung und bedrohen das friedliche Zusammenleben. Wir bitten Sie, hier im Sinne von Menschenwürde, Rechtsstaat und Demokratie entschieden zu handeln.
- Erleichterung der Familienzusammenführung für syrische Minderheiten – insbesondere Mitglieder der drusischen Gemeinschaft mit unterschiedlichen Aufenthaltsgenehmigungen – um ihre Angehörigen nach Deutschland einladen und wieder vereinen zu können.
- Förderung von Studienvisa und Fortsetzungsmöglichkeiten für drusische Studierende in den letzten Phasen ihres Studiums in Syrien, die dieses aufgrund wiederholter sektiererischer Angriffe nicht abschließen können.
- Beschleunigung der Visumsvergabe zur Arbeitssuche für Absolventen und Arbeitssuchende aus As-Suwaida, deren Chancen auf dem lokalen Arbeitsmarkt äußerst begrenzt sind, mit der Möglichkeit, für mindestens ein Jahr nach Deutschland zu kommen, um eine Beschäftigung zu finden.
Dies gründet sich auf unser tiefes Vertrauen in die Grundwerte der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union – insbesondere im Hinblick auf den Schutz der Menschenrechte, das Eintreten gegen Gewalt sowie die Verhinderung von Völkermord und ethnischen Säuberungen.
Wir appellieren daher an Sie, alle verfügbaren diplomatischen, humanitären und politischen Mittel zu nutzen, um das Leid der Menschen in Suwaida zu lindern und die drusische Minderheit in Syrien zu schützen.